
Heute nun Teil 2 unserer Serie “Keilrahmen selber bespannen” – Teil I finden Sie hier.
Zunächst legen wir uns nun Holzhammer, Spannzange und Tacker bereit. Alternativ zum Holzhammer darf es auch ein normaler Hammer in Verbindung mit einem Holzbrettchen oder Leistchen als schonender Zwischenlage sein, eine Spannzange ersetzt eine einfachere Flachzange und im Notfall tuns auch die Daumen ohne mechanische Hilfe. Das ist manchmal sogar besser, weil dabei die Leinwand nicht so strapaziert wird.
Der Tacker kann ein mechanischer sein, leichter geht es natürlich mit einem elektrischen oder gar druckluftgetriebenen Tacker. Feinsinnige Keilrahmenbastler ersetzen gern auch die profanen Tackerklammern nach alter Sitte durch solide Blaukopfnägel mit einem großen Kopf. Will man nach getaner Spannarbeit überschießende Leinwandteile beschneiden, brauchen wir noch einen Cutter. Komfortabel ist auch das Vorhandensein eines Stahlwinkels. Und ein Zollstock wird auch nicht schaden beim Ausrichten .

Im ersten Schritt werden die einzelnen Keilrahmenschenkel zusammengesteckt. In aller Regel hilft man vorsichtig mit dem Holzhammer nach, um die Gehrungsschlitze möglichst passgenau und eng zusammenzubringen und den Keilrahmen schon einmal so rechtwinklig auszurichten, wie man es mit bloßem Auge hinkriegt. Wer keinen Stahlwinkel hat, prüft den rechten Winkel anschließend an einer winkligen Möbelkante wie etwa einer Tischplatte. Hilfe gibt auch das sogenannte Stichmaß. Hier vergleicht man die Keilrahmendiagonalen. Sind diese Strecken gleich, ist der Keilrahmen winklig. Die Keile werden bestenfalls lose eingesteckt (wobei sie dann meistens bei der Spannarbeit wieder herausfallen), in der Regel wird man sie erst einfügen, wenn die Leinwand aufgespannt ist. Geheimnis: Winni, unser viel zu früh verstorbener Malerfreund, tackte abschließend noch den winkligen Keilrahmen auf der Rückseite über alle vier Gehrungen und versprach sich davon, dass der Keilrahmen auch unter den Belastungen des Leinwandspannens in der rechten Form bliebe.

Im nächsten Schritt wird der Keilrahmen mit dem flachen Rücken nach unten auf einen genügend großen Tisch gelegt, die Rahmenwülste zeigen entsprechend nach oben. Wir arbeiten hier “Bildseite nach oben”, um beim Ausrichten den Überblick zu bewahren. Wir legen unsere Leinwand oder unser Leinwandbild locker und mit der Malfläche zu uns zeigend über unseren Keilrahmen und richten es so aus, dass es allseitig den Keilrahmen gleichmäßig und genügend überdeckt. Wir ziehen nun den Keilrahmen über die Tischkante und setzen die erste Klammer in einer der Keilrahmenmitten, wenn nicht genügend Leinwandumschlag vorhanden ist seitlich, wenn möglich aber rückseitig. Das ist ein wenig umständlich, da wir dafür abtauchen und über Kopf agieren müssen, das ist aber unvermeidlich.
Tipp: Winni riet uns, die Tackerklammern immer schräg zu setzen, so dass jeweils ein Ende der Klammer in einem anderen Fadenlauf sitzt; so kann die Leinwand sich nicht öffnen, wenn sie beim Spannen Druck bekommt. Sitzen die ersten Klammern in der ersten Mitte, drehen wir das Bild mit Keilrahmen in der Horizontale, spannen die Leinwand, so dass sie ohne Verzug dem ersten Befestigungspunkt gegenübersitzt und setzen den zweiten Schuss. Dasselbe geschieht dann noch mit den beiden verbleibenen Mitten.
